Zuversichtlich in eine unsichere Zukunft

Ein Gastbeitrag des Klimaentscheids Schorndorf

Die Gruppe “Klimaentscheid Schorndorf” zeigt sich selbstbewusst und motiviert im Handeln

Sommer 2018: nach unendlich vielen Wochen, in denen der Himmel sein schönstes Blau gezeigt hatte, brach ich mit zwei Freundinnen zu unserer alljährlichen Bergtour auf. Dieses Jahr hatten wir uns die Lechtaler Alpen rausgesucht, Schlafplätze in drei Hütten waren gebucht. Auch für diese vier Tage waren die Wetteraussichten hervorragend, es war auf jeden Fall wichtiger, an die Sonnencreme und das Kopftuch zu denken als an die Regenkleidung. Im Gespräch mit den Hüttenwirten erfuhren wir, dass das Wasser so knapp sei, dass zum Teil das Duschen verboten wurde. Während unserer gemeinsamen Zeit in den Bergen wurde die offensichtliche Veränderung unserer Umwelt zu einem Gesprächsthema, auch über Greta Thunberg tauschten wir uns aus, war sie doch seit einigen Wochen mit ihrem Schulstreik fürs Klima in der Presse präsent.

Seitdem ließ mich das Thema nicht mehr los. Ich wollte mehr darüber wissen, an welchem Punkt die Menschheit steht, wie das Leben in 50 Jahren auf der Erde aussieht, ob es Sinn macht, sich alleine für den Klimaschutz einzusetzen, ob Deutschland überhaupt etwas bewirken kann, wo doch so viele andere Länder die Umwelt in großem Stil zerstören…

Zum Glück war ich bald nicht mehr alleine mit meinen Überlegungen: zur Unterstützung der Fridays for future schlossen sich Anfang 2019 deutschlandweit, europaweit, weltweit Eltern, Großeltern, Wissenschaftler:innen, Künstler:innen, Psycholog:innen und viele andere Gruppierungen zu verschiedenen -for future-Bewegungen zusammen. Im Rems-Murr-Kreis fand ich also Gleichgesinnte, wir trafen uns regelmäßig und überlegten, wo und wie wir uns am besten einbringen konnten.

Schließlich fanden wir, wonach wir suchten: der Verein GermanZero mit seinem Plan, Deutschland bis 2035 klimaneutral zu machen. GermanZero hat sich im Dezember 2019 mit einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt, dieses Video kann man jetzt noch auf YouTube anschauen. Zum ersten Mal wurde mir da klar vor Augen geführt, welche Veränderungen auf uns Menschen zukommen, wenn wir auf der Erde überleben wollen. Viel zu lange wurde das Thema weggeschoben, doch nun lässt es sich nicht mehr wegschieben!

Im Sommer 2020 waren dann neben einigen parents for future noch weitere Mitstreiter:innen aus Schorndorf und Umgebung gefunden, die sich zur Gruppe „Klimaentscheid Schorndorf“ zusammenschlossen. GermanZero unterstützte uns bei der Organisation und lieferte uns einen groben Klimastadtplan. Das ist ein Dokument, in dem aufgeführt ist, welche Maßnahmen in Schorndorf umgesetzt werden müssen, um die Netto-Emissionen von Treibhausgasen in die Atmosphäre bis zum Jahr 2035 auf Null zu senken. Auf unserer Homepage www.klimaentscheid-schorndorf.de haben wir den Klimastadtplan als Dokument hinterlegt.

Doch wie schafft man es, die politisch Handelnden davon zu überzeugen, dass der Wandel ansteht, dass ein „Weiter so wie bisher“ keine Alternative mehr ist? Es ist immer schwer, sich vom Gewohnten zu verabschieden, neue Wege auszuprobieren. Doch manch einer empfindet es als Wegfall einer Last, um jeden Preis an den alten, überkommenen Werten festzuhalten. Wir in unserer Gruppe merken, wie viel Energie sich breit macht, wenn man den Tatsachen ins Auge sieht, wenn man erkennt, wohin die Reise gehen muss und man dazu beitragen kann, die Weichen neu zu stellen.

So arbeiten wir inzwischen über ein halbes Jahr daran, mit Politiker:innen ins Gespräch zu kommen, Bürger:innen ins Boot zu holen, Podiumsdiskussionen zu organisieren und vieles weitere. Dabei sind wir nicht auf Konfrontation bedacht, sondern auf Überzeugung und Zusammenarbeit. Allerdings haben wir unser Ziel klar vor Augen, lassen uns nicht hinters Licht führen und bleiben so lange dran, bis sich z.B. die Zahl der Photovoltaikanlagen auf Schorndorfs Dächern deutlich erhöht hat und dem Auto nicht mehr die Priorität auf den Straßen eingeräumt wird.

Wir gehen dabei sehr selbstbewusst vor, eines unserer Lieblingszitate lautet: „Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“ (Margaret Mead).

Wir wünschen uns, dass sich auch innerhalb der Sektion Schorndorf des DAV Menschen finden, die die Zeichen der Zeit erkennen und sich zusammenschließen, um den Klimaschutz (der eigentlich Menschenschutz heißen müsste) voranzutreiben. Wir stehen gerne für Gespräche und gemeinsame Aktionen bereit. Wer ist dabei?

Zum Schluss noch ein Zitat aus dem „Handbuch Klimaschutz vom oekom Verlag: „Es gibt aber einen guten Grund, warum wir trotzdem glauben, dass das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann: Historische Umbrüche erfolgten oft mit langer zeitlicher Verzögerung, selbst wenn die Zeit bereits reif war. Aber wenn es schließlich losgeht, geht die Entwicklung ganz schnell, und Dinge werden möglich, die vorher für unmöglich gehalten wurden.“

Text und Bilder Dörte Schnitzer