Der Mittenwalder Höhenweg – eine Legende lebt

Die Erwartungen waren hoch, als sich die 6 Wanderer ( 3 w + 3 m ) des Alpenvereins Schorndorf auf den Weg machten Richtung Mittenwald. Um rechtzeitig die 1. Bahn am nächsten Tag zu bekommen, stiegen wir bereits am 1. Tag in knapp 1 ½ Stunden zur kleinen, feinen Mittenwalder Hütte ( 1514 m ) auf, die Aussicht ist grandios, über Mittenwald hinweg zur Zugspitze und mehr. Um uns bestens auf den nächsten Tag vorzubereiten, nutzten wir trotz großer Hitze die Zeit, um einen Abstecher zur nahen Lindenspitze ( 1809 m ) mit weitem Rundumblick ins Isartal zu unternehmen. Nach knapp 3 Stunden waren wir wieder pünktlich um 18.00 Uhr auf der Hütte, um unser köstliches Abendessen zu genießen. In bequemen Holzliegestühlen konnten wir einen fabelhaften Sonnenuntergang erleben.  
Zur Fahrt mit der Karwendelbahn mußten wir am nächsten Morgen erst einmal 600 hm zur Talstation absteigen, erreichten um 8.30 Uhr pünktlich die 1. Bahn zur Fahrt zur Bergstation auf 2244 m ), und konnten uns, nachdem wir unsere Klettersteigausrüstung angelegt hatten, bereits kurz nach 9.00 Uhr auf den Weg machen. Obwohl erst vor 1 Woche der Weg freigegeben wurde, befanden sich nun Heerscharen von Gruppen unterwegs, wobei uns auffiel, daß auch viele Kinder ( 8 Jahre ) dabei waren, die uns im Laufe des Klettersteigs zeigten, was Schnelligkeit und Ausdauer bedeutet. Obwohl wir ja bereits auf über 2200 m gestartet waren, mußten wir im weiteren Verlauf des Klettersteigs weitere 500 hm im Aufstieg bewältigen, weil insgesamt 5 Gipfel die Gratwanderung würzen, dazwischen aber immer wieder luftige Zwischenabstiege warten. Die leichte Kletterei mit Leitern, Drahtseilen, Freiklettereinlagen hat allen riesig Spaß gemacht, wobei die Aussicht zu genießen nach allen Seiten nicht zu kurz kam. Auch die Querung eines Schneefeldes mit zugehöriger Randkluft, die etwas Mühe bereitete, und die wohl auch für die seitherige Sperrung des Weges verantwortlich war, steigerte noch den Unterhaltungswert. Einzig die brütende Hitze, die durchaus auch auf über 2300 m zu spüren war und die stetige Sonneneinstrahlung machten uns zu schaffen. Am Ende des eigentlichen Steigs noch der mühsame Abstieg auf einem gerölligen Serpentinenweg, zuletzt durch einen glühend heißen Latschengürtel zur rettenden Brunnsteinhütte ( 1523 m ). Nach bis jetzt gut 6 Stunden fast reiner Gehzeit waren wir etwas geschafft und hatten eine längere Pause verdient. Doch es stand uns noch ein weiterer Abstieg von ca. 600 hm ins Tal bevor, nun aber im meist schattigen Wald. Vom Beginn des morgendlichen Abstiegs waren nun 11 Stunden vergangen. Zurecht waren wir stolz auf unsere Leistung, zumal bei diesen für uns extremen Wetterbedingungen ( um 15.00 Uhr noch 28 ° C auf der Brunnsteinhütte ). Dabei hatten wir zu den 500 hm im Aufstieg noch ca. 2300 hm im Abstieg, incl. der Morgengabe, bewältigt.                                                                                                         
Es hat mich persönlich riesig gefreut, daß ich diese tolle Truppe über den Grat begleiten durfte.

Text und Bilder: Karl Ostermann