Tolle Tage im Kleinen Walsertal
Ausgangspunkt unserer Wanderung zum Hohen Ifen war der riesige Parkplatz bei der Auenhütte im Kleinen Walsertal. 7 Bergfreundinnen und Bergfreunde hatten sich fest vorgenommen, den ungewissen Wetterprognosen zum Trotz, die geplante Ifenüberschreitung samt Gottesacker nicht ins Wasser fallen zu lassen.
Los ging`s am Sonntag um 9.00 Uhr in Richtung Melköde, einer Almhüttenansammlung noch im Talboden, am Beginn des Hüttenanstiegs zur Schwarzwasserhütte, unserem Nächtigungsquartier. Vor dem Aufstieg war eine erste Stärkung notwendig, um die 300 Höhenmeter gut überstehen zu können. Der Anstieg war dann kein Problem mehr. Allerdings fing es kurz leicht zu nieseln an. Noch vor 12 Uhr war die Hütte erreicht, das Quartier bezogen. Ungewisse Wetterlage, also abwarten. Als es gegen 14 Uhr immer noch nicht regnet, fassen wir Mut, und beginnen eine faszinierende Rundwanderung zunächst auf steilem Pfad zum Steinmandl, von dort eine anregende Gratwanderung zum Grünhorn, und von dort über die Ochsenhofener Scharte zurück zur Schwarzwasserhütte. 3 Stunden herrliches Bergwetter, Fernsicht und ein kleines Gipfelglück. Erst abends setzt Regen ein, als wir schon zu Tisch sitzen in der vollbesetzten Hütte und zufrieden den Tag ausklingen lassen.
Strategie für den nächsten Tag: Einer steht auf, begutachtet die Wetterlage, weckt dann alle anderen oder auch nicht. Mit etwas Verzögerung stehen wir alle auf, genießen ausgiebig das Frühstücksbuffet, und starten dann doch `zum Berg`, obwohl vom Gipfel weit und breit nichts zu sehen ist. Die Umgebung und der Boden sind noch recht feucht, es regnet jedoch nicht mehr, und die Wetterprognose ist nicht schlecht. Allerdings rät uns der Hüttenwirt dringend davor ab, die Gottesäcker zu betreten, da Altschneereste über den verdeckten Karsteinbrüchen eine erhebliche Verletzungsgefahr in sich bergen, falls man sich an den scharfkantigen Rändern verletzen sollte, und Wolken und Nebelschwaden eine sichere Orientierung unmöglich machen.
Wir starten also gegen halb neun, nähern uns gemütlich dem Fuße des Hohen Ifen, wobei sich die Wolken zusehends in die Höhe zurückziehen. Wir ahnen schon einen freien Gipfel. Beim Aufstieg ist noch etwas Vorsicht geboten, da Steine, Lehm und Eisenbügel noch naß und rutschig sind. Mehr als eine Entschädigung für die kleine Mühsal des Aufstiegs berauschen uns herrliche Blumenwiesen mit Arnika, Margeriten und vielen anderen Farbtupfern, die Alpenrosenblüten bedecken noch ganze Hänge mit ihrer Pracht. 2 riesige Gämsenrudel mit mindestens 40 Tieren flitzen vor uns vorbei und kreuzen mehrmals unseren Weg.
Nach 2 ¼ Stunden Aufstieg erreichen wir den Gipfel des Hohen Ifen auf 2143 m, ohne Wolken, mit Fernsicht zum Alpenhauptkamm, dagegen umwabern Wolken die nördliche Bergseite und ziehen weiter zum Gottesacker, zwischendurch erhaschen wir einen kurzen Blick auf das endlose Plateau. Pause und Fototermine. Dann, wie geplant, den gleichen Weg zurück, jetzt viel angenehmer, weil nun die meisten kritischen Stellen abgetrocknet sind.
Kurz nach Mittag erreichen wir die herrlich urige Ifertsgund-Alm. Die Sennerin hat alle Hände voll zu tun, um alle Wünsche nach Speck- und Käsebrot zu erfüllen. Da der Tag noch lange nicht zu Ende geht, entschließen wir uns, noch einmal zur Ochsenhofener Scharte hochzusteigen, und wählen dort den phänomenalen, fast ebenen Höhenweg zum Walmendinger Horn: Tolle Sicht, Sonne pur, Blumenpracht, Rindviecher. Vom Walmendinger Horn geht`s dann nur noch bergab. Um Punkt 18 Uhr erreichen wir wieder den Parkplatz. Ein Traumwochenende geht zu Ende, den krönenden Abschluß bildet ein gemeinsames Abschlußessen auf einer Sonnenterrasse mit Abendsonne in Riezlern. Die 7 Schwaben erlebten ein traumhaftes Wochenende in den Bergen.
Karl Ostermann


