Hochtour zum Strahlhorn ( 4190 m ) im Wallis vom 05. – 08. 08. 2010
Die Erwartungen waren groß, das Wetter sollte sehr gut werden. So machten sich 6 Bergbegeisterte auf den
Weg ins Wallis, um das 4190 m hohe Strahlhorn hoch über Saas-Fee zu bezwingen. Der Talstützpunkt war das Gruppenhaus Bergdohle in Saas-Almagell, eine sehr praktische Einrichtung. Nach langer, verregneter
Fahrt wurde noch am 1.Tag die Almageller Alp ( ein altes ehemaliges Hotel ) erwandert, abends selbst
gekocht.
Am 2.Tag stand die Höhenanpassung auf dem Programm. Von Saas-Almagell führt ein Weg direkt ins
langgezogene Furggtal, nach 3 ½ Stunden erreichten wir den Antronapaß auf 2836 m Höhe mit herrlichem Blick nach Süden, nachdem sich der Nebel verzogen hatte. Ein weiterer Anstieg stand an, um über die
Jazzilücke ( 3081 m ) den Übergang zu schaffen zum spektakulären Ofental, das uns zurückbringt zum
Mattmark-Stausee. Von dort fahren wir schließlich mit dem Bus zurück in unser Quartier nach Almagell.
Am 3. Tag der Übergang nach Saas-Fee, dann der kräftesparende Aufstieg zur Brittania-Hütte (3029 m )
über die Seilbahnstation Plattjen mit 2 ½ stündigem Aufstieg zur Hütte. Wir haben nun endlich das vorher-
gesagte Kaiserwetter, daher nur noch entspannen, vorbereiten und Weg erkunden für den morgigen nächt-
lichen Aufstieg.
Der 4. und letzte Tag begann schon früh um 2.40 Uhr mit Wecken, um 3.00 Uhr gab´s Frühstück, danach
Geschirr anlegen und um 3.45 Uhr in stockdunkler Nacht der Aufbruch, es ist sternenklar und nicht zu kalt.
Der Zugang zum Allalingletscher ist mühsam. Zunächst ein kleiner angenehmer Abstieg, dann ein kleines
Geröllfeld, danach werden die Ausläufer des Hohlaubgletschers mit einigen Spalten gequert, es schließt
sich ein unangenehmes Geröllfeld mit wenig Orientierungsmöglichkeit ( vor allem bei Nacht ) an, um
schließlich nach fast einer Stunde den Allalingletscher zu erreichen. Im unteren Teil ist der Gletscher
stark ausgeapert, Spalten gibt es genug, sie sind gut zu erkennen, aber oft aufwendig zu umgehen. Als
6-er Seilschaft sind wir gut gesichert. Dann endlich wird es langsam heller, der ersehnte Sonnenaufgang
kündigt sich an. Vor uns sind 2 weitere Seilschaften, hinter uns auch 2. Noch in weiter Ferne ist der weiß
glänzende Adlerpaß zu erkennen. Dunkle Wolkenbänder schieben sich über die angrenzenden Kamm-
rücken, wir sind verunsichert. Wir sind schon über 4 Stunden unterwegs, die Firnauflage ist fest und gut
zu begehen, also weiter. Wir wollen am Adlerpaß ( 3798 m ) neu entscheiden.
Die Entscheidung ist gefallen, das Wetter stabilisiert sich etwas, der Blick hinüber zum Matterhorn ist
grandios, die Welt ist wieder in Ordnung. Nach mehr als 6 Stunden erreichen wir endlich den Gipfel des
Strahlhorns in 4190 m Höhe. Die Rundumsicht ist noch phantastisch, der Wind bläst jedoch enorm.
Nach 5 Minuten ist daher schon wieder der Abstieg angesagt, auch, weil dort oben auf steinigem Unter-
grund kaum Platz für einen längeren erbaulichen Aufenthalt da ist.
Der Firnabstieg ist fast mühsamer als der Aufstieg, einige steile Passagen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Erst ein ganzes Stück unterhalb des Adlerpasses im flacheren Teil des Gletschers
weicht die Anspannung, ob denn alles gut geht und das Wetter hält. Nach einem schweißtreibenden unangenehmen Gegenanstieg erreichen wir nach weiteren 4 Stunden und insgesamt 10 ¼ Stunden
wieder wohlbehalten und bei schönstem Sonnenschein die Hütte.
Kurze Pause, nochmals umpacken, dann folgt der Übergang zur Bergstation Felskinn zur Seilbahn-
abfahrt nach Saas-Fee.
Die Tour war damit erfolgreich beendet, sie war anstrengend, hat aber sehr viel Spaß gemacht und
4 Mitglieder unserer Gruppe zu 4000 er- Bezwingern aufsteigen lassen.
Nach langer Heimfahrt wieder durch den Lötschberg-Tunnel mit Autoverladung erreichten wir nach
einem 23-Stunden-Tag in tiefer Nacht wieder die Heimat.
Karl Ostermann



